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Mein erstes Aquarium
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Als ich zehn Jahre alt war, war mein größter Wunsch, ein eigenes Aquarium zu besitzen. Um ehrlich zu sein, kann ich mich heute nicht mehr genau daran erinnern, wie es zu diesem Wunsch kam. Wahrscheinlich habe ich in Tierfilmen im Fernsehen, die ich zu dieser Zeit häufig anschaute, die bunte Unterwasserwelt der Ozeane und tropischen Gewässer kennen gelernt. Sehr genau erinnere ich mich hingegen daran, dass dieser Wunsch existierte und dass er stark war.

Ein Aquarium war zu jener Zeit ein Gegenstand, dessen Anschaffung sehr teuer war. Während heutzutage selbst manche Supermärkte Aquarien zu günstigen Preisen anbieten und die vielen Onlinehändler sich gegenseitig mit Angeboten unterbieten, war zu jener Zeit die einzige Möglichkeit, ein Aquarium zu erwerben, das örtliche Zoogeschäft. Und die Preise für das Aquarium lagen so hoch, dass sie durchaus dazu geeignet waren, einen zehnjährigen Jungen zu erschrecken. Als ich ausrechnete, wieviele Monate ich mein Taschengeld sparen müsste, um mir so ein Aquarium zu kaufen, wurde mir schnell klar, dass ich so nur sehr langsam an mein Ziel kommen würde. Denn das Aquarium hätte das Taschengeld vieler Jahre aufgebraucht. Viele Stunden verbrachte ich im Zoogeschäft, habe die bunten Fische bestaunt und überlegt, wie ich sie bei mir zu Hause halten könnte. So viel Zeit verbrachte ich im Zoogeschäft, dass eines Tages eine Verkäuferin meine Anwesenheit als verdächtig empfand und vermutete, dass ich mich als Ladendieb betätigen wollte. Nach dieser Erfahrung beschloss ich, erst wieder in das Zoogeschäft zurück zu kehren, wenn ich genug Geld aufgetrieben habe, um mir ein Aquarium, die Aquarienpflanzen und die Fische zu kaufen.

Beim ersten Versuch, das notwendige Geld für das Aquarium aufzutreiben, machte ich das, was für einen zehnjährigen Jungen wohl das naheliegendste ist. Ich fragte meine Eltern. Doch da in meiner Familie zu dieser Zeit das Geld etwas knapp war, da ich viele Geschwister hatte und nur der Vater arbeitete, war dies ein schwieriges unterfangen. Ein Geschenk einfach so ohne jeglichen Anlass war so gut wie ausgeschlossen. Auch ein etwas teureres Geburtstagsgeschenk wurde nicht genehmigt. Selbst die Möglichkeit, mir das Aquarium zu Weihnachten und zum Geburtstag zusammen zu schenken wurde abgelehnt, da die Kosten für das Aquarium trotzdem noch deutlich höher lagen, als der Wert der normalen Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke. Im nächsten Schritt wendete ich all die Methoden an, die sich Kinder ausdenken, wenn sie etwas haben wollen, das sie jedoch nicht bekommen. Ich weinte, quengelte, drohte und versuchte einfach alles, um an mein Aquarium zu kommen, doch alle noch so ausgefeilten Methoden der Beeinflussung führten nicht zum Ziel und meine Eltern blieben hart. Enttäuscht gab ich es auf, das Aquarium von meinen Eltern zu fordern, doch wollte ich mich mit dem Wunsch nach dem eigenen Aquarium noch nicht endgültig geschlagen geben.

Die Möglichkeiten für einen Zehnjährigen, einer Arbeit nachzugehen und sich selbst Geld zu verdienen, sind äußerst rar. Das Austragen von Werbeprospekten, was einige Kinder in meinem Bekanntenkreis durchführten, war erst ab zwölf Jahren möglich. Selbst nach einigem Nachforschen fand ich keine Möglichkeit, wie ich etwas Geld verdienen könnte. Da hörte ich eines Tages, ein Gespräch meiner Nachbarn, dass ihre Haushaltshilfe gekündigt habe. Die Nachbarn erörterten sie Situation und nach ihrer Meinung war es sehr schwierig, eine geeignete Fachkraft zu finden, die die Arbeit zuverlässig erledigen würde. Als ich dieses Gespräch hörte, sah ich meine Stunde gekommen. Da ich zu Hause bereits von klein auf daran gewöhnt war, im Haushalt mitzuhelfen, sah ich kein Problem darin, solche Arbeiten auch im Hause der Nachbarn zu verrichten. Als ich mich schließlich den Nachbarn als neue Putzkraft vorschlug, erntete ich zunächst einmal Gelächter. Sie dachten, dass ich nur einen Scherz machen würde. Als ich jedoch deutlich zu verstehen gab, dass dies für mich alles andere als ein Scherz war, sagten sie mir, dass dies nicht möglich sei. Kinderarbeit sei verboten, ich müsse ja noch zur Schule gehen, meine Eltern seien bestimmt nicht einverstanden und ohnehin sei ich ja noch viel zu klein, um eine solche Aufgabe zu erledigen. Doch ich blieb hart und versuchte alle Argumente zu entkräften. Nach einer langwierigen Verhandlung einigten wir und darauf, dass ich solange im Nachbarhaus arbeiten konnte, bis diese einen adäquaten Ersatz für ihre Haushaltshilfe gefunden haben. Obwohl ich nur eine Stunde täglich arbeitete und nur die Hälfte des Stundenlohns einer Haushaltshilfe verdiente, kam ich so dem Aquarium, den Fischen und den Pflanzen schon ein großes Stück näher.

Die Nachbarn waren zwar sehr zufrieden mit meiner Arbeit, doch wie vereinbart machten sie sich auf die Suche nach einer neuen Putzkraft und fanden diese auch nach wenigen Wochen. Obwohl ich in dieser Zeit gut verdient hatte, fehlte noch ein kleiner Teil, um meinen Traum vom eigenen Aquarium zu verwirklichen. Doch da sich für mich die Geschäftsidee als Helfer in den Haushalten der Nachbarn als gewinnbringend erwiesen hatte, setzte ich dieses Modell weiter um. Ich fragte in verschiedenen Häusern der Nachbarschaft nach, ob sie nicht eine kleine Arbeit für mich hätten, die ich für ein kleines Trinkgeld erledigen könnte. So mähte ich Rasen, kehrte Einfahrten und strich sogar eine Wand. Immer wieder gab es etwas zu tun und meine Ersparnisse wuchsen soweit an, dass ich nach etwa drei Monaten mein Ziel erreicht hatte.

Der Kauf des Aquariums war ein ganz besonderes Erlebnis. Es bedeutete für mich nicht nur, dass ich nun nach vielen Monaten den Wunsch nach dem eigenen Aquarium verwirklicht hatte. Es war vielmehr auch der Stolz und die Befriedigung, dass ich dies aus eigener Kraft geschafft habe, allen Widerständen zum trotz. Da ich in dieser Zeit des Wartens viele Bücher über das Thema Fischhaltung im Aquarium gelesen hatte, war das Einrichten des Aquariums nun ein Leichtes für mich. Die Wasserpflanzen wurden auf dem Grund gepflanzt, der Filter installiert und nach einer weiteren Zeit des Wartens, bis sich das biologische Gleichgewicht eingestellt hatte, konnten nun endlich die Fische gekauft werden.

Das Aquarium funktionierte viele Jahre, bis ich aus dem Elternhaus auszog, um mein eigenes Leben zu leben. Da mein jetziges Leben häufige Umzüge beinhaltet und die Einrichtung eines Aquariums besser langfristig angelegt werden sollte, kann ich heute keine Fische halten. Aber jedes Mal, wenn ich an einem Zoogeschäft vorbei komme und durch das Schaufenster die bunten Fische sehe, erinnere ich mich an dieses Erlebnis meiner Kindheit und verspüre den Wunsch, irgendwann einmal mein altes Aquarium wieder aus dem Keller zu holen und mit Pflanzen und Fischen zu besetzen.