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| Mein erstes Aquarium |
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Als ich zehn Jahre alt war, war mein größter Wunsch, ein eigenes Aquarium zu besitzen. Um ehrlich zu sein, kann ich mich heute nicht mehr genau daran erinnern, wie es zu diesem Wunsch kam. Wahrscheinlich habe ich in Tierfilmen im Fernsehen, die ich zu dieser Zeit häufig anschaute, die bunte Unterwasserwelt der Ozeane und tropischen Gewässer kennen gelernt. Sehr genau erinnere ich mich hingegen daran, dass dieser Wunsch existierte und dass er stark war. Die Möglichkeiten für einen Zehnjährigen, einer Arbeit nachzugehen und sich selbst Geld zu verdienen, sind äußerst rar. Das Austragen von Werbeprospekten, was einige Kinder in meinem Bekanntenkreis durchführten, war erst ab zwölf Jahren möglich. Selbst nach einigem Nachforschen fand ich keine Möglichkeit, wie ich etwas Geld verdienen könnte. Da hörte ich eines Tages, ein Gespräch meiner Nachbarn, dass ihre Haushaltshilfe gekündigt habe. Die Nachbarn erörterten sie Situation und nach ihrer Meinung war es sehr schwierig, eine geeignete Fachkraft zu finden, die die Arbeit zuverlässig erledigen würde. Als ich dieses Gespräch hörte, sah ich meine Stunde gekommen. Da ich zu Hause bereits von klein auf daran gewöhnt war, im Haushalt mitzuhelfen, sah ich kein Problem darin, solche Arbeiten auch im Hause der Nachbarn zu verrichten. Als ich mich schließlich den Nachbarn als neue Putzkraft vorschlug, erntete ich zunächst einmal Gelächter. Sie dachten, dass ich nur einen Scherz machen würde. Als ich jedoch deutlich zu verstehen gab, dass dies für mich alles andere als ein Scherz war, sagten sie mir, dass dies nicht möglich sei. Kinderarbeit sei verboten, ich müsse ja noch zur Schule gehen, meine Eltern seien bestimmt nicht einverstanden und ohnehin sei ich ja noch viel zu klein, um eine solche Aufgabe zu erledigen. Doch ich blieb hart und versuchte alle Argumente zu entkräften. Nach einer langwierigen Verhandlung einigten wir und darauf, dass ich solange im Nachbarhaus arbeiten konnte, bis diese einen adäquaten Ersatz für ihre Haushaltshilfe gefunden haben. Obwohl ich nur eine Stunde täglich arbeitete und nur die Hälfte des Stundenlohns einer Haushaltshilfe verdiente, kam ich so dem Aquarium, den Fischen und den Pflanzen schon ein großes Stück näher. Die Nachbarn waren zwar sehr zufrieden mit meiner Arbeit, doch wie vereinbart machten sie sich auf die Suche nach einer neuen Putzkraft und fanden diese auch nach wenigen Wochen. Obwohl ich in dieser Zeit gut verdient hatte, fehlte noch ein kleiner Teil, um meinen Traum vom eigenen Aquarium zu verwirklichen. Doch da sich für mich die Geschäftsidee als Helfer in den Haushalten der Nachbarn als gewinnbringend erwiesen hatte, setzte ich dieses Modell weiter um. Ich fragte in verschiedenen Häusern der Nachbarschaft nach, ob sie nicht eine kleine Arbeit für mich hätten, die ich für ein kleines Trinkgeld erledigen könnte. So mähte ich Rasen, kehrte Einfahrten und strich sogar eine Wand. Immer wieder gab es etwas zu tun und meine Ersparnisse wuchsen soweit an, dass ich nach etwa drei Monaten mein Ziel erreicht hatte. Der Kauf des Aquariums war ein ganz besonderes Erlebnis. Es bedeutete für mich nicht nur, dass ich nun nach vielen Monaten den Wunsch nach dem eigenen Aquarium verwirklicht hatte. Es war vielmehr auch der Stolz und die Befriedigung, dass ich dies aus eigener Kraft geschafft habe, allen Widerständen zum trotz. Da ich in dieser Zeit des Wartens viele Bücher über das Thema Fischhaltung im Aquarium gelesen hatte, war das Einrichten des Aquariums nun ein Leichtes für mich. Die Wasserpflanzen wurden auf dem Grund gepflanzt, der Filter installiert und nach einer weiteren Zeit des Wartens, bis sich das biologische Gleichgewicht eingestellt hatte, konnten nun endlich die Fische gekauft werden. Das Aquarium funktionierte viele Jahre, bis ich aus dem Elternhaus auszog, um mein eigenes Leben zu leben. Da mein jetziges Leben häufige Umzüge beinhaltet und die Einrichtung eines Aquariums besser langfristig angelegt werden sollte, kann ich heute keine Fische halten. Aber jedes Mal, wenn ich an einem Zoogeschäft vorbei komme und durch das Schaufenster die bunten Fische sehe, erinnere ich mich an dieses Erlebnis meiner Kindheit und verspüre den Wunsch, irgendwann einmal mein altes Aquarium wieder aus dem Keller zu holen und mit Pflanzen und Fischen zu besetzen. |
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