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| Pinker Sand und blaue Krebse - die Geschichte unseres Juwels |
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3, 2, 1 - meins! Nach vielen Wochen des Grübelns und Abwägens hatten wir also den ersten Schritt ins Abenteuer Nautilus gewagt und ein wunderschönes Juwel-Becken bei Ebay ersteigert. Meine Tochter Jule und mein Mann waren ganz aus dem Häuschen und Jule hüpfte wie ein Flummi auf und ab, als wir uns auf den Weg machten, um das gute Stück abzuholen. Eine Stunde Autofahrt lag vor uns und Jule redete von nichts anderem als davon, welche Fische sie haben wolle und welche Namen sie ihnen geben würde, wie sie sich um alles kümmern und wie toll das Becken in ihrem Kinderzimmer aussehen würde. "Darüber sprechen wir noch, Jule!", sagte ich - nicht besonders begeistert von der Vorstellung, dass Jule rund um die Uhr von dem Geräusch eines arbeitenden Filters und vom Licht früh angehender Neonröhren in ihrem kindlichen Schlaf gestört würde. Doch Jule hatte ihr Zimmer bereits umgeräumt und ihren neuen fischigen Freunden Platz geschaffen - sogar ihr Barbie-Haus war dafür gewichen und fristete sein Dasein ab heute im Keller. Sie sei nun kein Kind mehr, hatte meine Tochter mit wichtigem Gesicht deklamiert und wir hatten gelacht. Wir hatten vom Verkäufer nicht nur das Becken erhalten, sondern auch einen Innenfilter, Filtermaterial, ein Thermometer und alles, was das schuppige Herz sonst noch begehrte. Also konnte es fast losgehen. Während ich meinen Pflichten als Haus- und Aquarienfrau nachkam und mich daran machte, das Becken zu säubern und den Unterschrank abzustauben, waren mein Mann und Jule schon auf dem Weg in den nächsten Zoo-Laden, um Sand, Kies und Aquarienpflanzen zu kaufen. "Ich möchte unbedingt hübsche Dekoration! Und die Fische dürfen wir nicht vergessen!" Jule war fast nicht zu bremsen in ihrem Eifer und schon ein wenig enttäuscht, als wir ihr klarmachten, dass heute ganz sicher noch keine Fische in ihr Becken einziehen würden. Doch immerhin hatte sie sich durchgesetzt und das Juwel stand nun tatsächlich in ihrem Kinderzimmer, obwohl ich immer noch nicht begeistert war beim Gedanken daran. Denn immerhin würde man das Becken nicht so einfach wieder in ein anderes Zimmer umstellen können, wenn erst die 120l Wasser, der Sand und der Kies hinein gefüllt wären. Noch ganz in Gedanken versunken und Gott dankend, dass Jule vom Wunsch nach einem Hund abgekommen und jetzt so hin und weg von diesem Aquarium war, merkte ich nicht, wie mein Mann und Jule nach Hause gekommen waren und erschrak, als sie mit einer riesen vollgepackten Kiste plötzlich im Wohnzimmer standen. "Was habt ihr denn alles gekauft?", fragte ich entsetzt und belustigt gleichzeitig, als mein Mann anfing, die erworbenen Schätze auszuräumen. Ich wusste gar nicht, was es alles für ein Aquarium zu kaufen gab, abgesehen von den Dingen, die man wirklich brauchte. Doch das schien wohl Ansichtssache zu sein, dachte ich schmunzelnd, als Jule mich über die Dringlichkeit des Besitzes von pinkem Aquarienkies und kitschigen Deko-Steinen belehrte. Also machten wir uns alle an die Arbeit, unseren zukünftigen feuchten Mitbewohnern ein Heim einzurichten, das ihrer würdig war. Nach Stunden der überraschend schweißtreibenden Arbeit war unser Werk endlich vollbracht. In voller Pracht und ziemlich trübe glitzerte das Wasser in dem Becken. Der Filter lief bereits - was dem handwerklichen und vor allem technischen Geschick meines Mannes zu verdanken war, denn ohne ihn hätte ich ganz sicher nicht die Spur einer Ahnung gehabt, wie ich ihn hätte montieren sollen. Das Thermometer wärmte still und leise das Wasser, die tageslichtimitierenden Röhren beleuchteten alles romantisch und sogar die Zeitschaltuhr war schon auf den perfekten Fisch-Tag eingestellt. Weniger begeistert war ich von dem pinken Kies, der den schönen beigen Sand fast komplett überdeckte und nur noch von den pinken und roten Glassteinchen überstrahlt wurde, die Jule liebevoll im ganzen Becken verteilt hatte. Mein Mann stellte noch eine wirklich schöne Mangrovenwurzel hinein, die zusammen mit den zahlreichen Wasserpflanzen den Bewohnern in Spe genügend Versteckmöglichkeiten bieten würde. "Ich habe noch eine Überraschung!", verriet mir Jule mit leuchtenden Augen und einem wichtigen Gesichtsausdruck. Überrascht war ich wirklich, als sie begeistert eine große tönerne Sponge-Bob-Figur aus einer Schachtel zog. "Jule, das ist grässlich!", lachte ich, als meine kleine Tochter mit festlicher Mine das gelbe Ungetüm zwischen die Mangrovenwurzel und die Pflanzen bettete. Nun war das Werk tatsächlich vollendet - wenn auch anders, als ich es mir vorgestellt hatte.
"Und wie lange muss das jetzt so bleiben, bis wir endlich Fische adoptieren können?", fragte Jule ungeduldig, der das Wort "kaufen" bei Tieren zuwider war, da es sich doch schließlich um Lebewesen handeln würde und nicht um Lebensmittel oder Möbel. "Ich gebe jetzt noch die Wasseraufbereiter hinzu und die Dünger - und dann müssen wir das Becken mindestens eine Woche so laufen lassen, bevor wir Fische hineinsetzen können.", erklärte ihr mein Mann. Jule war entsetzt. "Eine Woche?", jammerte sie. Wir erklärten ihr, dass sich erst das für Fische lebenswichtige biologische Gleichgewicht des Wassers und der Pflanzen einstellen müsse, damit ihre kleinen Mitbewohner auch gesund und unbeschwert ihr neues Leben beginnen könnten. Vor allem müssten sich zunächst wichtige Bakterien im Filter ansiedeln, die das Wasser sauber halten würden. Mein Mann zeigte ihr alles im Internet und nach einer Weile hatte sie auch ein Einsehen, da sie ja den kleinen Fischen keinen Schaden zufügen wollte. |
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